Erholsam, einfach erholsam

und doch brauche ich noch ein bisschen mehr an Zeit. Zeit um mich selbst einzuholen. Ich mag gar nicht daran denken, das ich noch nicht geschafft habe, mich zu besinnen. Mir einzugestehen, dass meine Welt sich verändert hat. Ein ganz anderer Rhythmus, beherrscht meinen Tag.  Es sind andere Erfordernisse von Nöten, um den Alltag in Einklang mit mir zu bringen. Es geht mal nun nicht mehr – hoppla die hopp -. So mal eben drei oder mehr Dinge zugleich tun. Nein, es geht nicht, weil da noch so viel ist, was besichtigt werden will. Bestaunt, oder bestätigt. Und da sind die Kinder, die kleinen unbedarften Kinder, die mir fast täglich, wenn ich draußen mit meinem Rollstuhl fahre, begegne. Ihr Plappermäulchen einfach nicht stehen bleiben will. Neugierige Fragen stellen, sich verstecken hinter dem Rock oder Hose, der Mutter, des Vaters und verstohlen einen Blick wagen. Oder die Hunde, die mich beschnuppern, es fehlte noch, wenn sie ihr Bein heben, und naja, ihr wisst schon tun was sie – nicht – tun sollten. Aber die meisten Hunde sind betrachtend, so mit diesem Verhalten behaftet, dass sie nicht aus dem Weg gehen. Sie bleiben mitten im Weg stehen und weichen nicht. Nun denn, ich denke, wenn sie könnten, wäre es eine direkte Aufforderung, ein Gespräch ein zu fordern.

Dann stehe ich eine Weile, bis Herrchen, oder Frauchen verstört sagen, dass macht er oder sie – sonst – nicht. Oder sie sagen, das kenne ich nicht von meinem Hund. Dann sprich Frauchen, oder Herrchen, an Stelle ihres Hundes. Im Stillen frage ich mich, hat der Hund die Bedürfnisse seines Herrn gewusst und sich deshalb so verhalten. Nun gut, eine Antwort bekomme ich mal wieder nicht.  Aber ein zufriedenes Gesicht, manchmal ein Lächeln, oder ein fröhliches Lachen. Ich sehe ihnen nach, wenn sie mir Platz machen und ihrer Wege gehen. Der Hund für sich,  hat plötzlich einen federnden Schritt, der Mensch, der ihn führt, geht plötzlich aufrecht und seine Körperhaltung ist gestrafft. Dann denke ich, was Zuwendung ausmacht. Nur ein klein wenig, von ganz allein und ohne sichtlichen Grund käme auch ich nicht ins Gespräch. Aber so ein Hund, ist ein Vermittler.

Ich bleibe noch ein bisschen in meiner persönlichen und privaten Reha. Sie ist befristet diese Auszeit, immerhin vielleicht bekomme ich etwas auf die Reihe, wie mein Hausherr fragt. Typisch Mann, fällt mir dann ein, oder, vielleicht ist es nur Hilflosigkeit. Dann wird mein Herz traurig, denn er hat sich bestimmt nicht vorgestellt so  mit mir alt zu werden. Dann frage ich mich was bewegt ihn, ist alles schon bei ihm angekommen. Oder wird es abgelehnt, diese Veränderung.  Alt werden hatte ich mir so vorgestellt, dass wir gleichen Schrittes unseres gemeinsamen Weges gehen können. Nun ist die Vorstellung, diese Erwartung nicht eingetroffen. An Stelle dessen ist eine permanente Anforderung getreten.

So einfach ist es nicht, selbstverständlich schon gar nicht. In keiner Weise, auch wenn Liebe noch, oder gerade weil sie so viele gemeinsame Jahre gelebt wurden, eine nicht zumutbare Bitte, den Partner hilfreich, pflegend zur Seite zu stehen. Ständig sind sie eingebunden in dem Gedanken, um das Wohlergehen des Partners.

Ach könnte es doch wie früher sein, wie oft habe ich den Gedanken schon gehabt. Wie oft wird mein Hausherr diesen Gedanken sich verboten haben. Danach zu fragen wäre indiskret. Vielleicht würde ich einen Punkt berühren, der nie zur Sprache kommen soll und wird. Ich weiß es nicht. Weil ich es nicht weiß, rühre ich dieses Thema nicht an. Aber es ist da, unterschwellig. Irgendwann wird es an die Oberfläche gelangen. Mal sehen wie es wird. Bis dahin…….aber so lange bleibe ich nicht in meiner Auszeit.

Ich wünsche allen eine gute Woche Hilde

 

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Eine Pause zum Herbst……….

Ihr Lieben,

ich erlaube es mir zu sagen. Deshalb weil ich es so empfinde. Da ist mir etwas in meinem Leben begegnet, womit ich nicht gerechnet habe. Seit  ich so – holterdiepolter – in das Bloggerleben  gestolpert bin,  unbeholfen, aber freudig, hat sich mein Tagesablauf völlig verändert.  Neugierig und erwartend, schaue ich jeden Tag in meinen Computer. Ich lese jeden Beitrag und Kommentar. Eine zeitaufwendige Angelegenheit, sicherlich. wer kennt es nicht.

Spannend.

Komme ich zu einen anderen Punkt, was passiert mit mir, wenn ich über meine Belange, über meine Erlebnisse, meine Empfindungen schreibe. Zunächst, von meinen – Bloggerfreunden – erst einmal eine Reaktion, Verständnis, Anteilnahme.

Manchmal nur Höflichkeit, und genau diese Höflichkeit in der Wortwahl, im Gedankenaustausch, lässt doch viel Freiheit zur eigenen Interpretation. Ich konnte denken was ich wollte, es verletzte mich nicht.

Diese Art und Weise, sich nicht zu verletzen mit Worten, den –  Anderen – nicht zu verletzen mit Worten, das ist eine Grad-wanderung.

Vielleicht grenzt es an Diplomatie des guten Ton untereinander.  Dennoch wird die eigene Meinung gesagt. Welche Kunst entwickelt sich.

Ich bin kein Maler, Bildhauer, Musiker,  Schriftsteller. Nur ein Mensch, mit Worten im Herzen, die gesagt werden wollen. Zwangsläufig werden Bereiche in meinem Gehirn aktiviert, die mich kreativer denken lassen. Dennoch, ich bin kein Künstler der Worte.

– Wortkunst-.

Einige  Blogger sind es, meine Hochachtung. Ich sauge diese Fähigkeit auf. Es ist das Wort, nicht nur der Inhalt – Bedeutung -. Es ist wie der Ton eines spielendes Instrumentes, im Orchester. Nicht das Ganze, sondern das -klingende Andere -, welches unharmonisch tönt, gewinnt meine Aufmerksamkeit. Immerhin genau dies bewirkt bei mir, aufzuhorchen, oder als stimmig zu erklären. Deshalb, weil es mit Bedacht und Absicht gewählt wurde, ein Hinhören, zu bewirken.

Ich wollte über meinen Hund Merle und mich schreiben, wie ich meine Welt,  neu entdecke. Wie ich sie für mich  gewinne. Ich bin einfach darauf zu gerollt. Einfach so, ausprobierend und alles was mir begegnete, mitnehmend.

Nun ist mein Gepäck voll. Ich muss sortieren, aussortieren, um mich nicht zu verlieren in Unwichtigkeiten.

Dazu benötige ich eine Pause, eine längere. Eine Art – Reha -.

Bis bald, bleibt mir gewogen

Lieben Gruß Hilde

 

 

 

 

 

Sommer ade….,nicht doch…

Hejo, spann den Wagen an. Denn der Wind treibt Regen übers Land. Hol die gold’nen Garben, hol die gold’nen Garben! (Kanon)

 

Immer dann, wenn unsere Mutter dieses Lied anstimmte und wir mit unseren Kinderstimmen einstiegen. Sich das Lied in einer nicht enden wollenden Schleife mit uns durch die Wohnung geisterte, dann, dann waren die ersten Herbstboten sichtbar.                                     Spinnen, graue Nebel, bunte Blätter.

Ab in den Garten, alle Mann. Thermoskanne, Kuchen, Kartoffelsalat und Würstchen. Nicht zu vergessen Zeitungspapier und Streichhölzer. Vielleicht blieb man noch bis spät in den Abend. Dann wurde der Ofen beheizt und alle saßen zusammen und sangen Lieder. Die letzten im Sommer.

Kleine, erste gefärbte Birkenblätter wirbelten durch die Lüfte und legten sich zu unseren Füssen.

Die Kleingärtner in ihren Gärten und wir, holten die Zwetschen von den Bäumen. Der Sommerapfel landete in seinen Korb, nur die Winteräpfel blieben noch hängen. Die Kartoffeln färbten ihr Laub. Sie wurden ausgegraben. Die letzten warmen Tage, trocknete  ihre Kruste vom Lehm. Sie wurden geschüttelt, als Miniberg angehäuft  lagen sie nun, die leckeren Knollen, parat um ihre Reise in Jutesäcke verpackt,  in den dunklen, kühlen Kellen zu gelangen. Ach, da hingen noch die Zwiebeln, an ihrem Lauch gebunden in der  Höhe unter dem luftigen  Schuppendach. Wie Laternen sahen sie aus. Sie mussten trocknen. Lange konnte man sich nicht dort aufhalten. Aber was macht es schon. Draußen gab es noch viel zu tun. Das Blumenbeet leuchtete in den warmen rostroten Farben,  der Herbstastern. Kleine, feine wie Strahlen an einander gereiht und übereinander haltend, formte sich der Blütenkopf. Die Dahlien standen und neben ihnen die Chrysanthemen,  in der Nähe des Gartentürchen. Hinten verdeckt durch die großen, rankenden Blätter die Kürbispflanze mit ihren rotgoldenen Kugeln, dicht neben dem Komposthaufen. Ein Blick auf den Acker und die braune Scholle, gestochen vom Spatenstich, lag säuberlich in gerade Reihe, wartend um mit  dem Kompost und Gründung ein zweites mal umgegraben zu werden.  Die Erde roch, so anheimelnd. Sie versprach für das nächste Jahr gut vorbereitet zu sein. Jeder hatte so seine Aufgabe.  Da standen noch die hohen Bohnenstangen wie ein Indianerzelt verhakt im Boden. Die Tauben des Nachbarn turtelten im Hochsommer auf ihren Spitzen und benutzten es auch als Landeplatz. Grünkohl und Rosenkohl hatten einen gesonderten Platz und wir sahen das satte Grün, zum Trotz des Herbstes. Leuchtend, unangetastet.

Wir Kinder wunderten uns, ein so kleiner Garten und so viel ernten. Der Keller war immer voll, von diesen Kostbarkeiten und da steckte Arbeit dahinter. Wir wussten es nicht so. Wir bekamen es auch soo nicht mit. Es machte Spaß und es sollte Spaß bleiben. Es wunderte uns und wir wunderten uns, wenn unser Großvater in seinen Stachelbeerbäumchen Apfelsinen und Zitronen hängte, damit der Kleineste aus der Familie auch ernten konnte, oder nur überrascht wurde.

Das Lied, war der Auftakt, für eine andere Zeit des Jahres. Die Oma klagte:“ Schon wieder vorbei“. „Die Zeit wird immer kürzer“. Wir wussten nicht was sie meinte und schüttelten unsere Köpfe“ Ach Oma“, kam unsere erheiternde Antwort. „Na wartet nur ab“, hörten wir sie murmeln. Dann stimmte sie mit in diesen Kanon ein.

Einen sonnigen Sonntag

Hilde

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Eisleben, ein Minitrip…..

Und…… da ich im Harz war, nur für ein Wochenende……, wollte ich auch einiges sehen. Aber wie es so ist, nicht alles was ich möchte, kann ich noch umsetzen. Da wäre ich doch gern auf den Brocken gefahren, aber die Höhe ist zu anstrengend, wenn nicht gleich bedrohlich für mich. So sah ich den kahlen Hügel von weitem und freute mich, bis hier schon gekommen zu sein. Ohne eine schlimme Attacke, der Atemnot oder Herzrasen aushalten zu müssen, oder gar die Reise abzubrechen.
Das Hotel war ansprechend, zu moderaten Preisen und Zimmer sowie das barrierefreie Badezimmer, ausreichend. Wir hatten mit Halbpension gebucht. Ich esse nicht viel und ich mag es nicht, Ausschau nach einem Speiselokal zu halten. Nicht mehr. Es hat sich so vieles verändert, in den letzten eineinhalb Jahren.

Wir haben es gut getroffen. Zumal wir „Merle“ (Sheltie) immer mitnehmen. Ohne sie geht es nicht. Dieser Umstand hat uns schon manch gutes Hotel verwehrt, aber so ist es, wenn man einen Hund hat.
Ich habe mich wohl gefühlt, deshalb weil ich mich entspannt fühlen könnte. Ich konnte ans Frühstück – Buffet fahren und mich selbst bedienen. Natürlich wollte man mir helfen und ich begrüßte auch diese Aufmerksamkeit. Ließ es zu, da es für mich angenehm ist. Ich bekam ein Lächeln geschenkt, ein Augenzwinkern, ein „Guten Morgen“. Die Gäste schauten nicht weg, oder zur Seite. Wie gesagt, ich fühlte mich wohl und genoss, das Frühstück, wie auch das Abendessen.
Womit ich nicht gerechnet hatte, war die Müdigkeit die mich im Anschluss überfiel. Für den ersten Tag war es nicht so schlimm. Da es regnete und für mich spazieren rollen, nur unter äußerten Notwendigkeiten statt gefunden hätte.
Mit Regenschirm bestückt, musste mein Hausherr, mit Merle Gassi gehen. Merle liebt es  nicht soo gern von oben – nass – zu werden. Sie mag nicht gern ins Wasser gehen. Nur, wie gesagt; im äußersten Notfall.
So das sie beide schnell wieder zurück kamen. Aber ich hatte es mir schon gemütlich gemacht. – Nacht fein -, und mit mühevoll halb geöffneten Augen stellte ich die Frage:“ Und wo wollen wir hin, – morgen“ -?

Eisleben -, ich wollte nach – Eisleben – in die Lutherstadt, besser in eine von den Städten, die gerade in der Nähe sind. Geschichtsträchtig. Ich wollte auf den Spuren der Vergangenheit wandeln. Mein Hausherr bekam einen Lachanfall, als ich ihm in dieser Formulierung meinen Vorschlag vortrug. Wandeln – rollen, na gut, dann rollen wir eben. Die nächste Frage, ob Du überall hinein kommst. Mal sehen, wenn nicht….., dann wird uns etwas einfallen.

Es war Samstag morgen und die Sonne lachte. Ein Wetter um Unternehmungen zu wagen. Wir fuhren los, in Richtung Eisleben, ohne einen Plan. Natürlich mit Hilfe des Navigator. Rechts von uns malerisch liegend, die hügelige Landschaft des Harzes und links, die weite sanft geschwungene Ebene, Sachsen – Anhalts. Entspannend der Blick. Ruhe trat in unsere Gemüter, bis wir an der Stadtgrenze von – Eisleben – waren. Da hieß es aufpassen, einen Parkplatz finden. Einen Behinderten – Parkplatz mit Platz nach hinten. Denn, es müssen Rampen angelegt werden, um den E-Rolli hinaus fahren zu können. Das geht mal nicht eben so und es ist auch nicht leicht. Aber machbar, dank meines Hausherrn.

Wir wurden fündig. Einen Parkplatz hatten wir, und nun ging die Suche nach dem Touristen – Büro, los. Dank Googles -Maps auf dem Handy, war es dann kein Problem. Ich hatte die Hoffnung, die Angestellten, könnten mir sagen wo es Behinderten WC gibt. Öffentliche, mit dem Euro-Norm -Schlüssel zu öffnen, oder vielleicht hätten die eine B – WC. Weder noch. Ich kam nicht einmal in dies Büro ohne Hilfe und es war so eng. Nichtsdestotrotz irgendwie, zeigte man mir den Weg  zu ihrer Privat – Toilette.  Danke!!!

Dennoch war ich ärgerlich, eine Stadt, die sich ganz schön gemausert hat und vom Tourismus unterstützt wird. Bestimmt nicht unerheblich, ist nicht für den Informativsten Ort – Barrierefrei -. Es geht nicht nur um Rollstühle, sondern Rentner, die mit ihren Rollatoren, oder Gehilfen, weder hohe Bordsteinkanten, noch schwere Türen öffnen, bewältigen können. Die mit Bussen angekarrt werden und gerade jetzt verstärkt, im Lutherjahr. Wer möchte es nicht gern sehen, das Geburtshaus, oder das Sterbehaus, die bedeutenden Kirchen. Wer möchte nicht in die Kirchen gehen, rollen. Ich schon. Denn ich bin ein Wessi. Ich hatte keine Gelegenheit in frühen Jahren in die ostdeutschen Städte u fahren, um historische Bauten, Orte zu besichtigen.

Nun denn, wir fuhren hinüber zum Geburtshaus. Siehe da, ich konnte dieses Haus besichtigen. Man hatte dem Haus einen Fahrstuhl verpasst und das Personal geschult, Hilfestellung zu leisten. Ich war sehr, sehr erfreut und konnte alle Stockwerke besichtigen. Ruhig und entspannt. Eintauchen in eine andere Zeit, den Alltag vergessen. Dazu dienen auch Unternehmungen. Sie bereichern, ergänzen und lenken die Gedanken in eine andere Richtung. Ich fühlte mich wohl.

Und es ging weiter. Wir wollten noch die Statue sehen und das Sterbehaus, sowie die Kirchen. Gesagt, gedacht, getan. Wir rollten zum Marktplatz und da es schon gegen Nachmittag war, leerte sich die Innenstadt. Nur hier und da standen Busse. Augenblicke des ausatmen konnten stattfinden. Wir sahen das Alte und Neue und die große Marktplatzfläche mit dem Bildnis von Martin Luther. Plötzlich kam er mir so klein vor, nicht mächtig, übergroß, wie auf Abbildung. Auch nicht so groß wie seine Taten, die ihm ein Andenken in der Geschichte verschafft haben. Es normalisierte sich alles.  Ich  nahm mir  vor mehr über Luther zu lesen.

Dann kam noch ein Highlight, die Kirche. In eine wollte ich mindestens rollen. Es muss doch möglich sein. Ich hielt Ausschau und siehe da ein weithin helles Schild stand vor dem Kirchenportal. Ich fuhr darauf zu und es stand geschrieben, auf einer großen Tafel, die Kirche ist zu besichtigen.

Ich platziere mich, vor dem Eingang so, das ich Einblick in die Kirche hatte und blickte nach unten, sah gekennzeichnete Stufen mit einem hellen reflektierenden Streifen. Oh dachte ich, da ist ein Podest, bis dahin kannst  du fahren. Hinunter geht es nicht und freute mich.  Ich könnte ungeblendet  von der Sonne, das  Altarbild sehen, wenn auch nicht aus nächster Nähe.

Nirgendwo stand ein Hinweisschild, „Vorsicht Stufe“ oder für Rollstuhlfahrer „Eingang vom Seitenportal“.  Ich fuhr langsam los und es gab einen fürchterlichen Rums, fiel aus dem Rollstuhl und hatte Glück nicht die anderen Stufen runter gefallen zu sein. Dann passierte etwas, was ich schon lange nicht mehr erlebt hatte.

Ich wurde schuldig gesprochen.

Ich hätte aufpassen müssen, dann bekam ich noch den Hinweis, für Rollstuhlfahrer ist der Seiteneingang geöffnet. Im Moment nicht, folgte gleich die Aussage hinterher,  und es wurde auch nicht angeboten, den Seiteneingang zu öffnen. Der Rollstuhlfahrer hat nach meinem Erlebnis – nichts – in einer Kirche zu suchen,

“ Außer er bekommt   “ Flügel „.

Ich fuhr um die Kirche im Nachhinein.  Das eine Seitenportal hatte zwei unüberwindbare Stufen, das andere Portal war mit einem Baugerüst umgeben. wie auch immer.

„Menschen mit Handicap“, sind nicht willkommen.

Zu guter letzt suchte ich wieder eine Toilette. Eine öffentliche, behinderten Toilette. Ich hatte einen Schlüssel. Fand auch einen Hinweis, nur stimmte das Schloss nicht überein und es stand der Vermerk        „Geöffnet von Montag – Freitag“.

Da frage ich mich doch, wir haben ein Lutherjahr.“ – Eisleben, Wittenberg und Worms -„, Städte in denen Martin Luther gewirkt hat, werden doch in diesem Jahr besonders von  Menschen, meiner Altersgruppe und anderen, besucht.  Auch ohne Handicap, aber wir müssen alle mal – müssen -.

Nicht nur „Montag – Freitags“ und nicht jeder will in eine Gaststätte gehen.

Ich hatte Glück, mein Leben hat schwierige Momente, gefährliche, unberechenbare, aber auch ungewöhnliche, erfreuliche, bereichernde, fröhliche.

Nur weil ich jetzt im Rollstuhl sitze, hat der Tag immer noch vierundzwanzig Stunden und es wird immer noch hell und dunkel. Und ab und zu kommt die Sonne raus.

Auch für mich und für Dich.

Herzlich Hilde

 

 

Nur für ein Wochenende………

Kraft tanken, etwas anderes sehen. Warum nicht.

Nicht weit fahren, also in der Nähe bleiben, aber im Grünen. Frische Luft tanken, Natur, keine Häuserreihen, Vorgärten, Mülltonnen, keine geparkten Autos, angekettete Fahrräder, sehen. Stickige Luft, Abgase, Straßenlärm, Menschenmenge.  – Enge -.

 

Die weite des Landes sehen, irgendwo.

Ich fuhr sonst immer ans Meer und bin auf irgend eine Weise mit diesem verbunden. Viele Stunden verbrachte ich am Meer, sah den Gezeiten zu und träumte mich in ferne Länder, an andere Ufern. Aber immer so oft ich in die Weite schaute, war der Horizont so nah, zum greifen nah. Eine Täuschung. Ich vermöchte nicht die Entfernung ein zu schätzen. Es war der Blick, der sich verlor.

Auf dem Land ist es anders. Steht man auf einer Anhöhe, blickt man in eine Weite soweit wie das Auge reicht. Man sieht alles. Man sieht den Raum, die Struktur, das Gesamte und man kann sich auf das Einzelne konzentrieren.

Einen Punkt anvisieren, wie ein Vogel.

 

 

Die Weiterfahrt bringt den Abstieg und dann ist man wieder in den sichtlichen Abgrenzungen. So erging es auch mir. Die Zeit hatte den Raum verändert. Der Mensch, hat seinen Lebensraum verändert, nicht zu seinen Gunsten wie manche es glauben wollen, wohl zu seinem Nutzen, dem augenblicklichem. Aber erschließt sich  dem Menschen wirklich nicht was er anrichtet, wenn er in die Natur eingreift, welchen Schaden er langfristig verursacht. Sieht er nicht die Folgen und die nicht reparablen  Fehler, die er begannen hat?

 

 

Mich haben die Bilder des Waldes entlang eines erneuerten Verkehrsweg (Verbindungstrasse) mitten durch Harz,  bewegt. Abgestorbenes Nadelholz, mahnend stehend, aber keine neue Aufforstung. Es ist nicht die Natur die sich selbst schadet, zerstört. Es ist der Mensch, mit seinem wirtschaftlichen Wahnsinn.

 

Mehr, mehr, größer, weiter, schneller, reicher. Vor über dreißig Jahren, war ich das letzte Mal im Harz, vergangenes Wochenende wollte ich noch einmal dort hin, um Erinnerungen aufzufrischen.

Ich sah nichts,  an das ich mich erinnerte. Erinnern wollte.

Nur  nadellosen Bäume, im aschgrauen Farbton, die wie Mahnmale,   gespenstig standen.  Erschreckend.

Hilde

Wer denkt schon daran……..,


ich nicht.

Ich habe nicht daran gedacht einmal im Rollstuhl zu sitzen. Mir das Leben aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Wenn es nur darum ginge es – zu betrachten -, nein das ist es nicht. Es ist nicht eine Sichtweise.

Ich stehe nicht außerhalb meines Lebens. Ich bin im Leben. Ich bin am Leben. Ich bin in der Mitte meines Seins.

Und es tut weh.

Es tut so unendlich weh, abhängig zu sein – von – dem Wohlwollen anderer, hilfsbereiter Menschen. Ämter, Krankenkasse, sozialen Dienste, Krankengymnast, Pflegern, Helfern. Nicht zuletzt, die eigene Familie, Verwandtschaft.

Immer den Grad der Belastbarkeit, der anderen,  einschätzen.

Wieder und wieder ausloten, können sie, wollen sie, machen sie. Wie weit kann ich, um meiner selbst willen, eine Forderung stellen. Eine berechtigte Forderung, die es mir erleichtert, an das bisherige, gekannte, gewohnte Leben, anzuknüpfen.

So habe ich es mir nicht vorgestellt. Das was ich kann, möchte ich auf meine Weise tun. Langsam, mit Unterbrechungen, kontinuierlich, stets. Ich wünsche mir Wertschätzung meines Schaffens, Respekt. Aufmunterung, Bestätigung, Anerkennung, Freude und Spaß.
Die letzte beiden Komponenten – Freude, Spaß-, sind die Dinge, die mir Möglichkeiten schaffen, um neue Wege zu gehen, das wiederum, beinhaltet Leichtigkeit und Spontanität. Es bedeutet nicht in Traurigkeit zu versinken, sondern, sie wecken meine Kreativität. Fordern und fördern, weitgehend mit mir in Einigkeit zu sein  und im Ermessen meiner körperlichen Kräfte, selbst meinen Alltag zu bewältigen.

Natürlich benötige ich Hilfe, Hilfsmittel.

Deren Notwendigkeit ich nicht ausschlagen werde und will, aber sie müssen mir auch helfen und mir nichts erschweren. Ich will nicht für etwas dankbar sein und sehe auch keinen Sinn darin ein Hilfsmittel zu besitzen, das es mir nicht möglich macht, mit öffentlichen Verkehrsmittel zu fahren. Nicht in die Bibliothek, in Einkaufszentren, Theater, Museen, Bundesbahn, Busse zu gelangen.

Ich bin ein soziales Wesen.

Ich benötige den Kontakt zu sozialen Wesen, um die Differenziertheit zu unterscheiden. Um mich zu ergänzen, zu orientieren, um Maßstäbe zu stabilisieren, oder neu zu entwickeln. Ich benötige die Gleichheit wie den Unterschied. Die Abgrenzung, wie die Einheit. Indem ich Hilfsmittel erhalte, die meine augenblickliche Begrenztheit erweitern, nicht einschränken.

Ja, ich stehe nicht mehr im Erwerbsleben, muss nicht mehr diese Hahnenkämpfe auskämpfen. Ich habe sie gekämpft und weiß wie sie ablaufen. Ich kenne den Verlust (sprich Niederlage), kenne den Sieg (Erfolg). Das heißt aber nicht, da ich nicht, wie viele andere ein Wegbereiter war und bin.

Nun da ich “ Hilfsmittel“ benötige, ins – Abseits – gestellt werde. Mich begnügen kann, was ich erhalte.

– Nein –

Ich bin nicht vom anderem Stern, komme nicht aus dem Weltraum, sondern von – Hier -.

Und ja, ich pflege meine Hilfsmittel, in der von mir gewohnten Weise. Wie ich mit allem umgehe, was in meinem Besitz, oder Verantwortung ist. Aus der Notwendigkeit der Erhaltung. Das ist zunächst der erste Aspekt und dann, aus ästhetischen Gründen.
Was assoziiere ich, durch mich, in meine Umwelt.

Auch wenn die Menschen nur an mir vorbei gehen, kaum Augenschein von mir nehmen, mit mir zusammenstoßen, über mich fallen, trotz lauterstarker Warnung.

Beklommenheit?

Um Himmels willen, da will ich nicht enden. Gottseidank ich nicht. Oder, hey, die sieh aber gut aus. In dem Alter, im Rollstuhl, modisch, schick. Wie macht sie das. Warum ist sie da drin?

Fragen, die nicht gestellt werden, Antworten, die nicht gegeben werden können. Nur die Kinder, bleiben stehen. Staunen, bohren in der Nase, wenn sie denken.

Und Jungs, wenn sie mit mehreren sind, lassen verlauten: “ Hey, krasser Mercedes, Auslaufmodell“?
Meine Antwort: „Neues Modell, in der Probephase noch nicht käuflich“.

„Cool, Cool“ und ziehen weiter.

Eine gute Woche
Hilde

 

Gedanken zu den Beitrag von deinechristine.wordpress.com , ein Danke, an Christine. Schaut einfach mal vorbei. Es lohnt sich.

Meine Merle………….

Meine Merle

Da bin ich doch sprachlos. Das will schon was heißen. Worte haben mir so noch nicht gefehlt, auch wenn ich es jetzt schon manchmal schwer habe, schnell zu sprechen, weil mir die Luft weg bleibt und die Anstrengung zu groß wird. Aber diesmal war ich sprachlos, weil unsere Merle sich seltsam verhielt. Anders als sonst und ich dachte erst, es hat damit zu tun, weil wir nun nichts mehr zu – Lachen – haben. Also keine Aktionen, keine Spontaneitäten, sondern Ruhe. Ein stilles, bedachtes, reguliertes Leben.

Ich dachte sie trauert, wie Hunde es tun, wenn eine Veränderung eingetreten ist und sie nicht damit klar kommt. Also erst einmal wieder neu orientieren muss.
Aber wir machten doch alles, wie immer. Spielten mit ihr, waren draußen, alles wie sie es gewohnt war. Bevor der Enkel hier seine Ferien verbrachte.

Nein, irgend etwas stimmt nicht. Sie war dicht bei mir, so als wenn sie mich bemuttert. Suchte im Haus rum und legte sich ausgestreckt auf die Seite und zeigte ihr Gesäuge. Ich dachte, ach es ist zu warm, sie will sich kühlen. Aber dann kamen noch andere Unpässlichkeiten hinzu.
Meine Sorge wurde immer größer. Am anderen Morgen verhielt sie sich normaler, aber dennoch, die Sorge ließ mich nicht los. Meine Stimmung war auf dem Nullpunkt, das übertrug sich auf den Hund. Dieser wurde infolgedessen, noch apathischer, dies wiederum lenkte die Aufmerksamkeit unseres Hausherrn auf Merle. Na endlich, dachte ich, endlich fällt es ihm auf. Besser noch, reagierte darauf. Nun hatte ich einen Mitbeobachter, etwas in seinen Emotionen verhaltener Lebensgefährte, aber sie sind vorhanden und sie bringen mich immer in eine ruhige Phase. So auch diesmal, nur nun gefiel meinem Hausherrn, unsere Merle auch nicht. Da wurde plötzlich nicht lange gefackelt, ab ging es. Wohin? Zum Tierarzt.
Ich saß im Auto, den Stress wollte keiner haben: Rollstuhl raus, Rollstuhl rein. Es dauerte, dauerte, dauerte. Ich konnte meine Gedanken nicht kontrollieren, was wäre wenn… Bilder liefen im Kopf, wie Filme ab. So ein Quatsch schalt ich mit mir. Ich blickte in den Kosmetikspiegel und sah wie sie beide aus der Tür der Praxis kamen.
„Gleich“: sagte der Hausherr und das Zweite war; „weißt überhaupt wie teuer“. Ich atmete auf, so schlimm kann es nicht sein. Wenn erst der Betrag einer Leistung kommt, dann können alle Bilder wieder verschwinden. Also brauchte ich keine Schutzmechanismen, um eine negative Situation zu bewältigen.

Merle…., aber was war mit ihr?

Unsere Merle ist „Scheinträchtig“. Ihr Hormonhaushalt ist durcheinander. ….Wechseljahre…. bei Tieren?

Nun bekommt sie Medikamente, damit sich alles wieder normalisiert, und das Gesäuge muss den Milchfluss zurück bilden.

Nun denn, es ist nichts Schlimmes. Das schaffen wir schon. Glaube ich.