„Irma“…. eine neue Erfahrung

 

Heute wäre eigentlich mein Tag um zu lernen wie ich mit meinem E- Rolli in einen Bus komme. Monate hatte ich gewartet, um einen Termin bei den öffentlichen Verkehrsunternehmen, zu erhalten. Dann hatte ich ihn. Er lag in einem Briefumschlag, als Einladung auf meinem Schreibtisch. Überglücklich, in dem Bewusstsein, endlich in die Innenstadt fahren zu können, ließ ich mich zur „Irma“ fahren. Wundervoll dachte ich, endlich mal eine Messe für Menschen die ein „Handicap“ haben und für „solche wie ich“.
Bleibe ich mal dabei, die Gruppe anzusehen, der ich mich zuordne. “ Solche wie Ich“. Es war wie ein Faustschlag, den ich ins Gesicht bekam, – solche wie ich – sah ich überall. Plötzlich verloren sie ihre Andersartigkeit. Sie fielen nicht mehr auf. Sie waren der größte Teil der Interessierten. Sie sprachen, stellten Fragen, gaben Antworten. Beschrieben deutlich ihre Wünsche und zeigten ebenso vehement ihre Ablehnung und diskutierten, ließen sich nichts aufschwatzen. Wussten genau was sie brauchten. Zum ersten mal erlebte ich wie eine an Bewegungsunfähigkeit an sich eingeschränkte Person, als Persönlichkeit mutierte. Ich war fasziniert von dieser Veränderung. Die Begleitperson, verlor vollends an Bedeutung. Es stärkte mir meinen Rücken, ich atmete. Atmete auf, fühlte ich mich doch stark eingeengt. Ein Befreiungsschlag. Ich lernte.
Ja und dann hatten sie einen – Bus-, der öffentlichen Verkehrsmittel, in die Halle gestellt. An dem ich heute hätte üben können. Ich übte dort, zumindest versuchte ich es. Lange, immer wieder, aber ich musste aufgeben, mein E- Rolli, kriegte nicht – die Kurve -. Er ist einfach ein Panzer. Mit dem Bus kann ich nicht fahren. Die Enttäuschung war groß, riesengroß. Nun hoffe ich, dass es mit einem Training in der Straßenbahn klappt.
Mal sehen.

Liebe Bloggerfreunde -Innen, mit meinem heutigen Beitrag mache ich mal eine  Pause.  Ich wünsche allen gute Sommertage. Bleibt mir gewogen.

LG. Hilde

Ab heute…..

 

„Ab Heute wird alles anders“,

sagte das Staubkorn zum Regentropfen. Was meinst Du: „Fragte der Regentropfen“ „ Wirst sehen, warte nur ab“, antwortete das Staubkorn und rückte näher heran. Da saßen sie  hoch oben am Rand einer  Wolke, dessen kleiner Vorsprung ähnlich einem Podest glich.  Mit dem Blick nach unten gerichtet, kaum Platz für zwei.

Dicht hinter ihnen wuchs aus dem erkalteten Dunst  von Wasserdampf, ein Gebilde zu Stufen, einer scheinbaren Treppe. Staubkörner und Wassertropfen drängten unaufhörlich. Sie schoben, um den ersten Platz zu erhaschen. Gespannt wartend, auf ein Signal. Das reinste Schubsen und Stoßen. Enorm beengend, kaum eine Hand nicht einmal ein Blatt hauchdünnen Papieres hätte Platz dazwischen finden können. Eine Dichte die ihresgleichen, suchte.

Horch, ein Hagelkorn dickbauchig, mäkelt laut vor sich hin: „Zur Seite, ich komme“. Rollte, – nein – eierte geräuschvoll die neu entstanden Stufen hinunter. „Ich zuerst.“ Ich zuerst, und boxte ziemlich aggressiv um sich, sodass die Hitze  seines Körpers, ihn noch dicker werden ließ.

„Pass auf, dass du mal kein Eisbrocken wirst“, frotzelten die anderen.“ Ihm folgte ein Schweif eines weiß / grau durchzogener Körnerteppich.

Was soll das Gemecker, jeder kommt mal an die Reihe“, tönte es aus der oberen Ecke, der hinteren Reihe. Unterstrichen wurde das Geräusch mit grellen Blitzen. Quasi als Untermalung eines beginnendes, lautstarken Konzertes.

„Wir wollen uns nicht  echauffieren“, grollte der Donner und zog einen Wolkenteppich nach dem anderen über den noch restlichen klaren Himmel. Kaum noch Platz vorhanden, stapelten sie sich wie aufgeschüttelte weiße Feder-Kissen, zu ungewöhnlichen hohen, weißen Bergen.  „Es ist heiß, viel zu heiß für diese Jahreszeit“, ereiferte sich der Donner schob, drückte und quetschte, was das Zeug (Wolke) hielt.

„Kaum mit anzusehen“, brauste der Wind. Gerade vorher noch, nicht untätig, mit einer leichten Brise die Röcke zweier jungen Mädchen hoch flattern ließ. In Gedanken daran holte er tiefer, sehr viel tiefer Luft. Das wird ein Vergnügen, endlich kann ich zeigen, was in mir steckt und nahm fortwährend an Volumen zu.

Unheimlich, erschreckend murmelte das Staubkorn zum Regentropfen, er wird zum Orkan.  Immer gewaltiger. „Schau, wie er die Luft einsaugt“. „Fürchterlich…. mir wird angst und bange“. Fröstelnd rückten sie noch ein bisschen näher zusammen.

Derweil unten, die Menschen, hasteten, gestikulierend, wie immer gedanklich mit ihren Aufgaben beschäftigt, die Straßen hinunter. Eilten, um auf den schnellsten Weg nach Hause zu kommen. Nur noch eben etwas erledigen, dabei ihr Handy an ihren Ohren  haltend, kaum auf ihre Mitmenschen achten, geschweige denn auf den Straßenverkehr. Gerade noch in der letzten Sekunde sehend, dass die Ampel auf Rot gesprungen, dem Eigengewicht des Körpers Einhalt bieten, um nicht auf die Straße zu treten, kam laut sprechend die Antwort:“

„Ja, ich bringe es mit, eine Flasche Milch, etwas Obst aus dem Supermarkt, Brötchen vom Bäcker“. „Ach und Fleisch, nein ich vergesse nicht“.  „Ja doch, auch Gemüse“. „Welches“, grollte der Mann der wartend an der Ampel stand. Hätte vielleicht über Tag erledigt werden können, kam ihm in den Sinn.

Dazu ein Schwall an pragmatischen Gedanken, breitete sich in seinem Kopf aus. Er wischte sich mit dem Taschentuch über die Stirn, öffnete seine Krawatte und blickte dann zur Uhr am Handgelenk. Irgendetwas befremdete ihn.

Inzwischen schaltete die Ampel auf Grün und das ältere Ehepaar, das ebenfalls wartend dort stand, betrat vorsichtig nach links und rechts schauend die Straße. Die Unsicherheit und Besorgtheit sich auf eine so belebte Kreuzung zu begeben, war schon schwerlich. Den einbiegenden Autos die in die Kreuzung einbogen, hob er abwehrend seinen Gehstock entgegen. Überhaupt, wird die Ampel lange genug Grün zeigen, um den langsamen, stockenden Schritten sicheren Übergang zu gewähren. Er war in Sorge.

Niemand bemerkte das nahende Unwetter. Alle stöhnen unter der Hitze und der Schwüle. Der Schweiß lief ihnen von der Stirn, sie konnten sich dem nicht entziehen. Obwohl sie genug Flüssigkeit zu sich nahmen, kühlten ihre Körper nicht ab. Ihre Stimmung schwankte, sie wurden reizbar, ungerecht, launisch, rempelten aneinander.

Die alte, runzelige Frau, jene sitzend an der Ecke der Nebenstraße,  die, in die  Hauptstraße mündet,  ihren täglichen Platz den ihren nannte. Immer schon dort saß, Sommer wie Winter. Tag ein, Tag aus.  Den kleinen Teller vor sich gestellt, auf einer Decke, zusammengefaltet wie auf einem Minisessel, sitzend. Mit dem Rücken zur Hauswand, an ihren Rucksack gelehnt. Daneben in Armeshöhe, ihre Taschen mit ihren einzigen Schätzen spürte, es liegt etwas in der Luft. Der kleine Teller war fast leer, kaum ein Geldstück lag innen. Sie blickte zum Himmel und sah die Wolkenformationen. Schnell, sehr schnell, räumte sie ihre Gegenstände, band sie mit einem alten Gürtel zusammen, stand auf und verließ den Platz.

Wie ein Signal, blickten mehr Menschen nach oben und sie erkannten: Hier braut sich etwas zusammen. Ein Wetter, ein Unwetter. Niemand hat damit gerechnet.

Abkühlung wünschten sich alle. Nur, sie befanden sich mitten in einer, – ihrer Stadt -. Nahe an einem Fluss,  in einer geografischen Tiefebene gelegen, ein malerisches Bild. An sonnigen, warmen Tagen boten die Wiesen wunderschöne Ausflugsziele allen Bewohnern.

Gleichgültig, der Gefahr eines Wetterszenario, die sich hinlänglich in den Köpfen der Verantwortlichen abgespielte, wurde nichts unternommen. – Theorie -.

Nur wenige ahnten von der Gefahr für die Stadt bei einer Katastrophe. Verdrängten dennoch  insgeheim ein mögliches, unheilvolles Geschehen. Niemand glaubte es würde je eintreffen, dann nicht zu ihrer Zeit.  Sie änderten nichts.

Der Fluss war schon immer träge und behäbig, an manchen Stellen breit und die Wellen schlugen an den Deich hoch, wenn Schiffe sich kreuzten. Diesem Schauspiel wohnten sie gerne bei.  Es faszinierte sie, diesen Kräften mit den Augen zu folgen. Ein leichter Vorgeschmack  Katastrophen nur in der Gestalt ihrer Schönheit zusehen. Vergessend, wie gefährlich, verheerend die Natur, wenn sie ungebremst ist , sein kann.

Wo auch sollten sie hin. Sie hatten hier ihr Zuhause und sie liebten ihre Stadt. Niemand machte den Anfang, den  Menschen im Ernstfall, in dieser Stadt für Sicherheit zu sorgen.

Ein Schrecken ging durch die Köpfe der hasteten Menschen. Die Fahrräder würden plötzlich heftiger getreten, die Autos hupten verstärkt und die Fußgänger legten so schnell sie konnten eine flottere Gangart an. Nur die junge Mutter, die gerade aus der Apotheke kam, ihr Kind fest auf ihren Arm trug und nach dem Kinderwagen Ausschau hielt,  mit ihren suchenden Augen sah wie er auf den Verkehrsweg rollte, presste ihr Kind heftiger an sich und schrie aus Leibeskräften, so als säße das Kind noch darin. Sie sah das Unglück und konnte es nicht verhindern. Beherzte Menschen sprangen auf die Straße und ergriffen den Kinderwagen, bevor er mit einem Fahrzeug kollidierte.   Die zitternde Frau mit ihrem Kind auf dem Arm, brachten sie in die Apotheke, wo sie sich von dem Schreck erholte, um den nächsten zu überstehen.

An der gegenüberliegenden Straßenseite, räumt ein Floristikhändler seine außen auf einer Regalbank stehenden Blumen hastig ins Ladeninnere. Noch lässt er seine Tür offen stehen, so als sollte sie andeuten, so schlimm wird es nicht werden.

„Schau es Dir an“: sagte das Staubkorn zum Regentropfen, „schau hin, sie ängstigen sich nicht“. „Sie sorgen sich nicht“. „Was wird nun mit den vielen Kreaturen, die bald ein Leid erfahren“?. „Die sind arm dran“. „Kummer vergeht, aber nicht Dummheit“: erwiderte das Staubkorn. „Vielleicht lernen sie doch“: antwortete der Regentropfen.

„Ja, vielleicht.“

Ein Sturm kommt auf, die Menschen flüchten. Der Himmel verdunkelt sich eine weiße Front von Hagelkörnern prasselt hernieder. Äste brechen, Masten fallen um, Autos werden verbeult. In Minutenschnelle ist alles in eine Winterlandschaft gehüllt.

– Stille -, dann ein gewaltiges aufbäumen des Windes, der die Wolken auf einander zu treibt. Blitz und Donner folgen, dann ergießt sich der Himmel sintflutartig. Nur kurze Zeit und der Mensch braucht Jahre um alles wieder aufzubauen. Eine verheerende Kraft im Tanz des Reigens der Urgewalten

„Sieh“; sagt das Staubkorn zum Regentropfen, „die Sonne“ unter ihren Strahlen schwebten sie im Licht, tausendfach und umspannen die Erde mit dem Bogen des Friedens.

Sie werden lernen:“ Wirst es sehen“, „ Ab Heute wird alles anders“.

 

 

 

 

 

 

 

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Momente……….

Überraschung per Post

Oh, es hat gedauert bis ………,  ((oder  – eine lange Leitung haben -. Ein Spruch meiner Mutter, wenn ich nicht sofort ihre Wünsche erledigte, oder nicht begriff was sie von mir erwartete.  Im Prinzip hatte ich immer und ich kann sagen wirklich – immer- gewusst was sie wollte, wünschte, erwartete. Aber ich war beschäftigt, abgelenkt, oder verhindert.

Als Kind ist/war man oft abwesend, – nur – die Erwachsenen können es nicht verstehen. Wir Kinder sind in einer Welt von Träumen gefangen. Da fällt ein einziges Wort und es entsteht eine Geschichte, ein Abenteuer. Wir steigen hinab oder hinauf in eine imaginäre Welt undurchdringlicher Schichten / Sicht. Wege sind verworren, uneben. Verzweigen sich oft, enden in einer Sackgasse, einer Höhle, oder an einer Felswand. Abermals entstehen neue gedankliche Konstrukte. Die Fantasie lebt und wir verharren regungslos und entrückt in unseren fiktiven Erlebnissen, bis wir ans Ziel unserer Träume  gelangen.  Wir treten auf eine Wiese, die uns die Weite zeigt. Das Grün des Lebens, den Himmel, die Ferne und die Grenze des Horizontes. Die Farbe des Lebens. Eine innere Zufriedenheit erfüllt das kindliche Gemüt. Wird es gefragt, weiß es nicht was es erlebte, nur es strahlt und plötzlich ist es empfänglich für Aufgaben. Kleine dem Alter entsprechend.))

……ich endlich dazu kam, in Ruhe und ohne Aufregung einen Briefumschlag zu öffnen. Nun mach schon auf:  “ Du erstarrst förmlich“, sprach der Hausherr. Es stimmte was er sagte: “ Ich verharrte in einem Augenblick der Freude. Lange, ganz, ganz lange hatte ich  keinen persönlichen Brief, der an mich gerichtet  in meinen Händen gehalten. Es berührte mich und bevor ich ihn öffnete, träumte ich, wie ich als Kind träumte. Dabei hielt ich den Brief immer noch ungeöffnet in meinen Händen. „Was ist los“; hörte ich die Stimme meines Hausherrn. „Ich weiß nicht“; war meine Antwort. Ich wollte nicht sagen, wie überrascht ich war, wie ich mich freute, welches warmes Gefühl von Glückseligkeit meinen Geist erfüllte. Dieses Empfinden war meins und ich wollte nicht teilen, nicht in diesem Moment.

Ich wartete, lange, bis ich allein war und dann öffnete ich den Umschlag.

Seht hier oben, das habe ich geschenkt bekommen, einfach so. Es gibt Momente, des Glücks, der Freunde, der Überraschungen, Angst und Trauer, des Friedens und der Übereinstimmung. Nicht zuletzt der Hoffnung.

Und es gibt Menschen, die einem Nahe sind, ohne das wir es zu wissen glauben. Momente, die helfen ein Leben zu stärken.

Ich danke, ich danke meinem Schicksal, so viel Glück zu empfinden.

Einen lieben Gruß    ♥

Hilde

 

Himmelfahrt / Vatertag…….

Himmelfahrt, heute ist Himmelfahrt. Es war und ist an Himmelfahrt, Himmelfahrt.

Es ist ein kirchlicher Feiertag.

Nur wir scheinen es zu vergessen. Wir machen aus diesem Tag einen unseligen Tag. Einen Tag an dem Männer einen Feiertag missbrauchen um sich dem Alkohol „gesetzlich“ hingeben zu können.

Es ekelt mich an. Es ist mir zuwider einen torkelnden, vor sich hin lallenden Mann, an zu erkennen. Als Vater, als Mann, als Bruder, Großvater, Onkel, Cousin, Freund, Bekannter.

Wir sind das einzige Land auf dieser Welt, die Himmelfahrt zum Vatertag gemacht hat. Da frage ich mich doch allen Ernstes, ist da nicht umdenken angesagt.

Vatertag , soll den Vater ehren. Seine Verdienste, seinen Einsatz für die Familie. Im weitesten Sinn, die Verteidigung der Familie, den materiellen, emotionalen, existentiellen Schutz, anerkennen. Einen Grundstock für gesellschaftliche, individuelle, soziale, religiöse, sittliche Werte, ebenso.

Wie passt es zusammen, das ein Kind spürt, an einem Tag wie heute, an Himmelfahrt, an einem Feiertag,  sind diese Werte „out off Order“.

Nicht nur die 364 Tage im Jahr prägen, sondern dieser eine Tag, der sich so stark hervor hebt. Ist ein Stempel, in der Entwicklung eines Kindes.

Einen schönen – Vaterlosen Tag -.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hinter allem steckt Mühe……

Merle auf Erkundung

ich komme mir im Moment so wie Merle vor, in völlig fremder Umgebung einen kleinen Hügel nehmend, um Herrchen zu folgen.

Sie konnte nicht so schnell seinem Befehl folgen, es waren so viele Gerüche am Boden und in der Luft. Es stürmte  viel auf sie ein, in dieser ihr fremden Umgebung. Vielleicht hat sie daran gedacht, ihren Rückweg zu sichern, um sich besser orientieren zu können.

Damals hatte ich nicht viel Wissen, wie mache ich es mit einem Hund „Richtig“. Wie wird ein Hund ein gehorsames Tier. Wie binde ich sie an mich. Kommt sie, wenn ich sie rufe. Ach es war so viel, was ich beherzigen musste.

Für Merle gab es nur Fressen, Auslauf und Spielen.  Ich merkte bald, diesen Hund liebe ich. Es erschreckte mich, denn ich spürte auch, dass ich mich sorgte. So wie ich mich um meine Kinder sorgte, um meinen Mann, meine Mutter.

Ich entdeckte an mir, dass ich mit meiner Hündin sprach. Ihr, ihr Fehlverhalten erklärte.  Ich fasste mich an meine Stirn. So geht es nicht. Ich bin wunderlich.  Merle wurde plötzlich Ersatz für meine Kinder, die erwachsen und aus dem Haus sind.

Es war auch verführerisch, einfach in den Raum zu sprechen, einen kleinen Kopf mit zwei gespitzten Ohren,  schräg geneigt mich anblickend, zu sehen. Sie folgte den Schwingungen und der Lautstärke,  in meiner Stimme, nicht dem Inhalt.  Es hätte nur noch gefehlt, Merle würde antworten.

Eine gewisse Erwartungshaltung ging sowohl von mir, wie von  ihr aus. Ihr Blick blieb wachsam, aber unverständlich und ohne bejahenden Ausdruck. Vielleicht lauernd, horchend, was sagt diese Stimme. Klingt  sie gleichbleibend, monoton, lockend, scharf, knapp, oder einlullend.  Ein Türgeräusch, eine Autotür, das Piepsen der Backofenuhr, ein Fahrrad, das Tapsen von Fußtritten, alles das nahm sie wahr. Sie regte sich nicht sonderlich. Statt dessen lag Merle scheinbar entspannt auf ihrer Decke,  ihre Ohren drehten sich stetig in die Richtung woher die permanenten Geräusche kamen.  Es passiert nichts, also steht sie auf berührt Frauchen mit einem Stups an deren Beine. Willst du spielen, fragt diese zärtlich. Tausendmal sanfter, schwingender als sie je zu einem Menschen gesprochen hätte. Die Hündin erfasst diese weichen Töne und antwortet mit einem Reiben ihres Felles an dessen Beinen.

Wir gehören zusammen. Eine innige tiefe Bindung mit einer lebenslangen Treue entsteht, wie sie wohltuender nicht sein kann. Die Hündin bindet sich an sie in bedingungsloser Treue. Sie nimmt  hin, wie wir sind, ohne Widerspruch. Sie verteidigt uns, mit ihrem Leben. Als Dank, das wir ihr  Futter geben, und uns als Rudelführer aufführen.

Und wir, warum lieben wir einen Hund so sehr, weinen um ihn, gehen mit ihm zum Arzt und opfern ihm mehr Zeit, als manch einem Familienmitglied.

Weil sie  uns nicht antworten können. Das verständnisvollste Geschöpf auf dieser Welt sind, was wir uns wünschen. Ich weiß es nicht.

Nein ich vergleiche mich nicht mit meiner Hündin, mir fiel nur diese Bild in die Hände. Es liegt acht Jahre zurück und wir feierten damals – Midsommar – irgendwo in Schweden auf dem  Land. Ich dachte daran wie sie sich anstrengte und daran, was gerade mit mir passiert.

Ich weiß nicht wie es Euch geht, aber das Neue, Unerwartete, – Nicht  Gekannte -, ist Realität geworden. Der Spontanität ist ein Bewusstsein gewichen, alles wird so bleiben. Vielleicht schlimmer, unaufhaltsamer werden.  Ich verliere den Blick für den Gewinn, der Qualität, dem Genuss,  der Freude.

Ich werde nicht gerufen. Ich muss nicht folgen. Von mir erwartet keiner Gehorsam. Ich habe keine Pflichten. Keine Aufgaben. Alles geht ohne mich. Eigentlich bin ich nicht mehr.

Ich falle in ein tiefes Loch. Merle musste den Berg hoch. Ich rolle hinab. Irgendwie fühlt sich es nicht gut an. Ich kenne so etwas nicht, nicht bis jetzt.

 

 

 

 

 

 

 

Ich komme zum Muttertag….

Tulpen am Weg

Ich komm zum Muttertag ……. Das stand auf dem Display meines Handy. Nicht das ich etwas dagegen hätte, – nein – so ist es nicht. Ich liebe meinen Sohn, ich freue mich riesig, wenn er Zeit hat und kommt. Ich koche auch gern für ihn, das machte mir alles keine Mühe (bislang) Aber an …… Muttertag …….. !

Wollte ich wirklich Besuch von meinen Kindern, die für mich von so großer Bedeutung, Wichtigkeit sind, an einem Tag wie diesem.

an ………………………… Muttertag ………………….!

Was denken denn  Söhne, Töchter, Enkel, wenn sie  gratulieren. Zu Besuch kommen,  Geschenke mitbringen, mir Zeit nehmen meine / unsere und dann wieder gehen?

Einmal im Jahr, erinnern sie sich an – MICH -.  Bekommen ein schlechtes Gewissen und rennen, um ihr Gefühl von nicht genug getan, beachtet zu haben, mit einem schlechten Gewissen, mir die Tür ein.  Zeigen Dankbarkeit in Form von Blumen, Pralinen, Tischdecken, das vorbereitet Mittagessen aufzutragen. Den mitgebrachten Kuchen  zur Nachmittagsstunde mit einem Kaffee in großer letzten Familienrunde genießen, um verstohlen zur Uhr zu schauen.

Mutter, ein Blick, der um Verständnis  bittet. Termine,  morgen und klopfen auf ihren Arm. Muss noch etwas vorbereiten, wir müssen ……. Gehen……

Achsel zucken, Verlegenheit, Erlösung.

Ich schickte eine SMS zurück mit dem Inhalt – lädst du mich zum Essen ein – ? Antwort:   — Du könntest doch mein Lieblingsgericht—, ist doch nicht schwer, vorbereiten. Das andere mache ich …… ( Was meint er, das andere)

Wäre doch eine gute Idee.

– Nein -.

Keine gute Idee.

Es ist Muttertag und nicht der Tag, wie beschäftige ich meine Mutter.

— Sendepause –.

Ich war Sprachlos.    Er wohl auch.

Erst einmal hatte ich vergessen, dass wir Sonntag „Muttertag“ haben, Ich habe mich nicht  in Beziehung  zum Muttertag gebracht, nicht mehr und weniger  zu diesem Tag, als an anderen Tagen. Sah ich mich bis vor kurzem noch als Tochter. Hatte ich  vor drei Jahren noch meine Mutter und alle machten sich zu diesem Tag auf den Weg, zur Mutter und Oma zu fahren. Es wäre fatal gewesen, sie als Mutter, an diesem Tag nicht zu ehren. Mit unserer Anwesenheit, dem familiären Beisammensein. Erzählen von Geschichten aus der gemeinsamen Vergangenheit. Dem gemeinsamen Kochen, Essen, wirtschaften und am Ende des Tages, alles wieder aufgeräumt an seinem angestammten Platz stellt zu haben, so dass die Mutter auf dem Sofa sitzen konnte und den Tag ausklingen ließ. Wir glaubten immer, es wäre eine Ehre, die wir unserer Mutter zuteil werden ließen. (Wir Frauen genossen es, bedient zu werden, an diesem Tag). Ob es eine war, für sie,  weiß ich bis heute nicht. Wir glaubten das Richtige zu tun und wir sahen, wie sehr sich unsere Mutter freute.  Sie war etwas Besonderes, unsere Stammesführerin, sie hielt die Familie, Ihre Sippe zusammen. Nicht nur an diesem einen Tag.

Es dauerte Stunden, bis sich mein Sohn wieder meldete. – Hast du Zeit, morgen – ? Wieder eine SMS. Hatte ich. – Ich hole dich ab -. Gut, Ich sitze im Rollstuhl.

– Macht nichts -. Wir fahren mit der Straßenbahn. Gut.

Wir waren Stunden in der Innenstadt, sind gemeinsam zum Essen gerollt, haben einige seiner Bekannten getroffen und ich bekam eine Kappe mit einen Schirm.

Es war das erste Mal für ihn mich auszufahren. Das erste Mal.

Ich fühlte mich geehrt, angenommen, akzeptiert, geliebt.