Erholsam, einfach erholsam

und doch brauche ich noch ein bisschen mehr an Zeit. Zeit um mich selbst einzuholen. Ich mag gar nicht daran denken, das ich noch nicht geschafft habe, mich zu besinnen. Mir einzugestehen, dass meine Welt sich verändert hat. Ein ganz anderer Rhythmus, beherrscht meinen Tag.  Es sind andere Erfordernisse von Nöten, um den Alltag in Einklang mit mir zu bringen. Es geht mal nun nicht mehr – hoppla die hopp -. So mal eben drei oder mehr Dinge zugleich tun. Nein, es geht nicht, weil da noch so viel ist, was besichtigt werden will. Bestaunt, oder bestätigt. Und da sind die Kinder, die kleinen unbedarften Kinder, die mir fast täglich, wenn ich draußen mit meinem Rollstuhl fahre, begegne. Ihr Plappermäulchen einfach nicht stehen bleiben will. Neugierige Fragen stellen, sich verstecken hinter dem Rock oder Hose, der Mutter, des Vaters und verstohlen einen Blick wagen. Oder die Hunde, die mich beschnuppern, es fehlte noch, wenn sie ihr Bein heben, und naja, ihr wisst schon tun was sie – nicht – tun sollten. Aber die meisten Hunde sind betrachtend, so mit diesem Verhalten behaftet, dass sie nicht aus dem Weg gehen. Sie bleiben mitten im Weg stehen und weichen nicht. Nun denn, ich denke, wenn sie könnten, wäre es eine direkte Aufforderung, ein Gespräch ein zu fordern.

Dann stehe ich eine Weile, bis Herrchen, oder Frauchen verstört sagen, dass macht er oder sie – sonst – nicht. Oder sie sagen, das kenne ich nicht von meinem Hund. Dann sprich Frauchen, oder Herrchen, an Stelle ihres Hundes. Im Stillen frage ich mich, hat der Hund die Bedürfnisse seines Herrn gewusst und sich deshalb so verhalten. Nun gut, eine Antwort bekomme ich mal wieder nicht.  Aber ein zufriedenes Gesicht, manchmal ein Lächeln, oder ein fröhliches Lachen. Ich sehe ihnen nach, wenn sie mir Platz machen und ihrer Wege gehen. Der Hund für sich,  hat plötzlich einen federnden Schritt, der Mensch, der ihn führt, geht plötzlich aufrecht und seine Körperhaltung ist gestrafft. Dann denke ich, was Zuwendung ausmacht. Nur ein klein wenig, von ganz allein und ohne sichtlichen Grund käme auch ich nicht ins Gespräch. Aber so ein Hund, ist ein Vermittler.

Ich bleibe noch ein bisschen in meiner persönlichen und privaten Reha. Sie ist befristet diese Auszeit, immerhin vielleicht bekomme ich etwas auf die Reihe, wie mein Hausherr fragt. Typisch Mann, fällt mir dann ein, oder, vielleicht ist es nur Hilflosigkeit. Dann wird mein Herz traurig, denn er hat sich bestimmt nicht vorgestellt so  mit mir alt zu werden. Dann frage ich mich was bewegt ihn, ist alles schon bei ihm angekommen. Oder wird es abgelehnt, diese Veränderung.  Alt werden hatte ich mir so vorgestellt, dass wir gleichen Schrittes unseres gemeinsamen Weges gehen können. Nun ist die Vorstellung, diese Erwartung nicht eingetroffen. An Stelle dessen ist eine permanente Anforderung getreten.

So einfach ist es nicht, selbstverständlich schon gar nicht. In keiner Weise, auch wenn Liebe noch, oder gerade weil sie so viele gemeinsame Jahre gelebt wurden, eine nicht zumutbare Bitte, den Partner hilfreich, pflegend zur Seite zu stehen. Ständig sind sie eingebunden in dem Gedanken, um das Wohlergehen des Partners.

Ach könnte es doch wie früher sein, wie oft habe ich den Gedanken schon gehabt. Wie oft wird mein Hausherr diesen Gedanken sich verboten haben. Danach zu fragen wäre indiskret. Vielleicht würde ich einen Punkt berühren, der nie zur Sprache kommen soll und wird. Ich weiß es nicht. Weil ich es nicht weiß, rühre ich dieses Thema nicht an. Aber es ist da, unterschwellig. Irgendwann wird es an die Oberfläche gelangen. Mal sehen wie es wird. Bis dahin…….aber so lange bleibe ich nicht in meiner Auszeit.

Ich wünsche allen eine gute Woche Hilde

 

Advertisements

12 Gedanken zu “Erholsam, einfach erholsam

  1. Liebe Hilde, sicher würde es jedem von uns so gehen, wenn uns so eine einschneidende Veränderung träfe, die uns an den Rollstuhl fesselt. Ich weiß nicht, wie lange ich für so etwas brauchen würde, denn mein ganzes tägliches Leben in dieser Wohnung wäre nicht mehr möglich.
    Mir reichen ja schon die Einschränkungen, die das Alter bringt, aber die kommen allmählich.
    Ganz liebe Grüße zu dir von Clara

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Erika,
      ich danke Dir herzlich für Deine Lebensweisheit. Den Spruch kenne ich“ Zeit heilt alle Wunden“. „Lass Dir Zeit“, oder „mit der Zeit“. Das stimmt schon, aber nicht die Zeit heilt, sondern die Entfernung von dem zeitlichen Geschehen.
      Geduld…., seit ich im Rollstuhl unterwegs bin, begleitet mich Geduld. Geduld ist was mir bleibt, unter anderem. Sie ist keine Tugend, sondern eine Grenze/ Begrenzung.
      LG. Hilde

      Gefällt 1 Person

  2. Liebe Hilde!

    Ich benötige keinen Rollstuhl trotzdem hat sich nein Leben vor knapp einem Jahr durch meine Erkrankung schlagartig geändert. Rund um die Uhr eine Sauerstofftherapie zu benötigen war keine prickelnde Diagnose. Mein Mann hat sich in den ersten Wochen, nicht mehr als fünf Meter von mir entfernt. Im Laufe der Zeit ist es besser geworden. Mittlerweile darf ich auch mal alleine sein oder ohne ihn etwas unternehmen .😊
    Vor einigen Wochen waren wir bei einer Veranstaltung für Betroffene und Angehörige. Dort hat mein Mann das erste mal über seine Ängste und die Hilflosigkeit die er gegenüber meiner Erkrankung hat gesprochen.
    Vielleicht wäre für euch eine Selbsthilfegruppe hilfreich.

    Liebe Grüße
    Sabine

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Sabine, danke für Deine offenen, verständnisvollen Worte.
      Es stimmt, ich befinde mich in einem Prozess. Ich will es einmal benennen, – Annahme meiner jetzigen Befindlichkeit -. Es rumort in mir. Da kommen eine ganze Menge Gefühle zu Tage. Gefühle, die ich nicht zugelassen habe und auch nicht konnte. Sonst wäre ich nicht wo ich jetzt bin. Ruhe, einfach Ruhe und die Fähigkeit entwickeln, zu zulassen. Veränderung annehmen. Dabei den pflegenden Angehörigen nicht vergessen.
      Lieben Dank. Hilde

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s